Freigesetzte Salzsäure fordert 200
Einsatzkräfte in Stolzenau
Stolzenau.
Ein Gefahrguteinsatz mit der Freisetzung von Salzsäure forderte am
Donnerstag eine Vielzahl an Feuerwehren im Landkreis Nienburg bei einem
Großeinsatz. Über 200 Einsatzkräfte wurden nach Stolzenau in die Große
Brinkstraße beordert, um in einem kunststoffverarbeitenden Industriebetrieb
größeren Schaden zu verhindern. Personen kamen bei dem Einsatz nicht zu
Schaden.
Als die Ortswehr Stolzenau um 11.34 als erste alarmiert wurde, stiegen
unklare Dämpfe aus einer Mischanlage auf. Der rund zwei Tonnen fassende
Mischer war zuvor von Betriebsmitarbeitern unter anderem mit PVC-Pulver,
Weichmachern und Pigmenten beschickt worden, um daraus eine Flüssigkeit zur
Herstellung von Kunststoffbahnen zu mischen. Durch eine heftige Reaktion bei
diesem Produktionsprozess kam es dann zu einer unklaren Rauchentwicklung.
Unmittelbar nach Eintreffen der ersten
Kräfte wurden die Gefahrgutgruppe Süd und der ABC-Zug des Landeskreises
Nienburg nachalarmiert, die bei Gefahrgutunfällen zum Einsatz kommen.
Zwischenzeitig erfolgte die Evakuierung der Mitarbeiter aus der Mischerei
und den angrenzen Produktionsbereichen.
Nach dem Eintreffen der Feuerwehr-Fachzüge wurde die umfangreiche Technik
aufgebaut und erste Messungen vorgenommen. Diese ergaben eine hohe
Konzentration an Salzsäure in der Luft der Mischerhalle, die ohne
Schutzmaßnahmen die Gesundheit der in der Nähe befindlichen Personen
schädigen würde. Zudem hatte sich das Gemisch stark erhitzt.
Absperrbereiche wurden eingerichtet und erste Sicherungsmaßnahmen getroffen.
Dazu gehörten neben dem Aufbau von Löschwasserversorgen auch das Abschiebern
des Abwassernetzes, um eventuell eingesetztes Löschwasser aufzufangen und
einer Entsorgung zuführen zu können. Vor den Hallentoren wurden Hydroschilde
aufgebaut, um eventuell austretenden Salzsäuregase mit Hilfe des
Wassernebels zu binden und niederzuschlagen. Probenentnahmen vom ausgasenden
Material folgten, um die Zusammensetzung der Masse im betriebseigenen Labor
zu analysieren.
Da die Einsatzkräfte zur Eigensicherung nur unter schweren Atemschutz, und
in der Halle zusätzlich nur in Vollschutzanzügen, arbeiten konnten, wurde
die Nachalarmierung weiterer Kräfte aus den Gemeinden Stolzenau und
Steyerberg erforderlich. Um 14:40 wurde auch noch der Gefahrgutzug Mitte zur
weiteren Unterstützung angefordert, um frische Kräfte und weitere
Atemschutzgeräte sowie Vollschutzanzüge einsetzen zu können.
Die weiteren Messungen in der betroffenen Halle ergaben nach 15 Uhr ein
Abkühlen der ausgasenden Masse, verbunden mit einer Abnahme der
Schadstoffkonzentration, die sich bis 16 Uhr dann auf einen nicht mehr
nachweisbaren Wert reduzierte. Mit der Belüftung der Halle wurde der Einsatz
der Feuerwehren beendet. Anschließend versorgte der Verpflegungszug aus
Wietzen die Einsatzkräfte mit Getränken und Essen, denn die meisten Männer
und Frauen hatten zum Frühstück das letzte Essen zu sich genommen.
Zum Einsatz kamen 80 Atemschutzgeräteträger, davon 21 in Vollschutzanzügen,
ergab eine erste Auswertung des Großeinsatzes. Zur Ursache für die heftige
Reaktion bei dem Mischvorgang können noch keine Angaben gemacht werden, dazu
dauern die Ermittlungen noch an.
Text & Fotos: Martin Möhring; Kreispressewart Nienburg-Süd